Kabála (Kavala)

P1010849Aufnahmen vom November 2013.
Images taken in November 2013.

Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern.  Bei Hochformat werden die Bilder durch Anklicken auf Bildschirmgröße gebracht.  Dies funktioniert gut mit Mozilla Firefox (hübscher grauer Hintergrund) und Opera, weniger gut mit Chrome (das die Bilder an den linken Bildschirmrand rückt, statt sie mittig darzustellen).

Clicking on the images will enlarge them.  Clicking on vertical format images will make them fit the screen.  This works well with Mozilla Firefox (which provides a nice grey backdrop) and Opera, less well with Chrome (which moves the images to the left of the screen instead of centring them).

P1010797

Kabála [kav’ala] — in westlichen Sprachen meist Kavala oder Kavalla geschrieben — liegt weit im Osten, in Thrakien.  Wir hatten die Länge der Fahrt von der Chalkidikḗ (Néos Marmarás)(und nachher wieder zurück!) durch weitgehend unbesiedeltes Land unterschätzt.  Unterschätzt, weil man hier immer noch ziemlich weit von der türkischen Grenze entfernt ist, und man Griechenland doch gar nicht für so groß hält.  Und dabei ist ein großteil der Strecke Autobahn.  Blick auf die Stadt.  Die Altstadt liegt auf der Landzunge links des Hafenbeckens.  Rechts im Hintergrund die Insel Thásos.

Kabála [kav’ala] — mostly spelled Kavala or Kavalla in western languages — is situated far in the east, in Thrace.  We had underestimated the drive from the Chalkidikḗ (Néos Marmarás)(and then back again!) through largely empty countryside.  We thought that after all Kabála is still quite far from the Turkish border, and that Greece is not that large really?  But!  Even though you can cover much of the distance by motorway.  A view of the town.  The old town is on the promontory to the left of the harbour.  On the right in the background is the island of Thásos.

P1010798

P1010802

P1010807

Kabála gehörte bis 1912 zum Osmanischen Reich.  Im Ersten Balkankrieg besetzten die Stadt 1912 die Bulgaren, die einen Zugang zum Mittelmeer anstrebten.  Im Zweiten Balkankrieg wurden die Bulgaren 1913 wiederum von den Griechen vertrieben.  Seitdem gehört die Stadt zu Griechenland.  Der Kirche oben sieht man sofort an, daß sie einmal Moschee, und der Turm ein Minarett war.

Until 1912 Kabála belonged to the Ottoman Empire.  In the First Balkan War the Bulgarians, striving for access to the Mediterranean, occupied the town in 1912.  In the Second Balkan War the Greeks drove them out again in 1913.  Since then the town has belonged to Greece.  You can see immediately that the church above was once a mosque, and the bell tower, a minaret.

P1010808

Hier sehen wir den Apostel Paulus, dem im Traum ein „Mann aus Mazedonien“ erscheint und um Hilfe bittet.  Da der Heilige Geist Paulus und seinen Gefährten bereits zu verstehen gegeben hat, daß er sie nicht mehr in Kleinasien haben will, macht man sich folglich nach Makedonien auf.  Und zwar betritt der Apostel, im Jahr 49, europäischen Boden erstmals just in der Hafenstadt Kabála, die damals den originellen Namen Neápolis („Neustadt“) trägt.  Alles nachzulesen im 16. Kapitel der „Apostelgeschichte“ des Lukas.  Von Neápolis reist man weiter nach dem 15km nordwestlich im Landesinnern gelegenen Phílippoi (lateinisch Philippi).  Der damals wohl bedeutendere, heute verlassene Ort ist bekannt als Austragungsort einer entscheidenden Schlacht im Römischen Bürgerkrieg 42 v.u.Z.  Am Abzweig zu der Ausgrabungsstätte waren wir vorbeigefahren.  Der Gemeinde dort wird Paulus später den Philipperbrief schreiben.  (Das ist wirklich alles in Thrakien und nicht in Makedonien im engeren Sinne; aber die Gegend war bereits um 355 v.u.Z. von König Philipp von Makedonien unterworfen worden, dem Phílippoi auch den Namen verdankt.)

Here we see the apostle Paul being asked for help by „a man from Macedonia“ appearing to him in a dream.  Since the Holy Spirit has already made it quite clear to Paul and his companions that he doesn’t want them in Asia Minor any longer they consequently set sail for Macedon.  In the year 49 for the first time the apostle thus steps onto European soil in the port of Kabála, which then bore the highly original name of Neápolis (New Town).  You will find all this information in chapter 16 of Luke’s „Acts of the Apostles“.  From Neápolis the group travels on to Phílippoi (in Latin: Philippi), situated 15km inland to the northeast.  Then probably the more important settlement and famous as the site of an important battle of the Roman civil war in 42 BCE, the place is now deserted — we passed the sign to the excavation site on our way to Kabála.  Paul will later address the letter to the Philippians to the local christian community.  (We really are in Thrace here and not in Macedon proper.  However, the area had been conquered already around 355 BCE by king Phillip of Macedon, to whom Phílippoi owes its name.)

P1010810

P1010809 P1010811

P1010803

Am Ende der Straße der Aquädukt, die imposanteste und bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt.  Aber erst gehen wir in die rechterhand gelegene Altstadt, zu der der Aquädukt auch hinführt.
At the end of the street is the aqueduct, the most impressive and best-known sight of the town.  But first we head for the old town, situated to the right (and where the aqueduct leads too).

P1010816

Die Häuser hier stammen offenkundig noch aus osmanischer Zeit.
These houses clearly still date from the Ottoman period.

P1010818 P1010823

P1010841

In diesem Haus wurde — nach seiner Angabe 1769 —  Mohammed (Mehmet) Ali geboren, der zunächst als osmanischer Gouverneur, dann als quasi-autonomer Herrscher von Ägypten Karriere machte und die dort bis 1956 regierende Dynastie begründete.  Jetzt ein Kunst- und Kulturzentrum.
In this house Mohammad (Mehmet) Ali was born, according to himself in the year 1769.  He rose to be Ottoman governor, then quasi-autonomous ruler of Egypt, and founded the dynasty that reigned in that country until 1956.  Now the building is a cultural centre.

P1010840

Osmanisches Grabmal nahe des Mohammed-Ali-Hauses.
Ottoman tomb near the Mohammad Ali house.

P1010821

Seiner Heimatstadt stiftete Mohammed Ali 1813 dieses Imaret — eine Einrichtung, die als Herberge, Armenhaus, Koranschule und auch Hamam diente, bis 1923 die muslimische Bevölkerung vertrieben wurde.  Das Objekt gehört aber immer noch einer in Ägypten ansässigen wohltätigen Stiftung.  Sie verpachtete es 2001 an einen Investor, der das Imaret und das Mohammed-Ali-Haus restaurierte und in dem Imaret ein Luxushotel betreibt.

In 1813 Mohammad Ali donated this imaret to his hometown — it combined the functions of inn, almshouse, madrassa and even hamam until the Muslim population was driven out in 1923.  The building still belongs to a charitable foundation residing in Egypt.  In 2001 it was leased to an investor who restored both it and the Mohammad Ali house and who runs a luxury hotel in the imaret.

P1010813 P1010822 P1010826

P1010827 P1010830

Eine weitere ehemalige Moschee.
Another former mosque.

P1010832 P1010838 P1010837

P1010843

Blick auf die Altstadt vom Tor der Zitadelle aus.  Der hintere Kuppelbau ist die orthodoxe Bischofskirche.
View of the old town from the gate of the citadel.  The church with the cupola in the background is the orthodox cathedral.P1010845

Thásos im Hintergrund.
Thásos in the background.

P1010846

P1010842

P1010850

Und hier der Aquädukt.  In unseren Reiseführern und überhaupt in jüngeren (nicht aber jüngsten oder älteren) Quellen gilt er als osmanisches Bauwerk des 16. Jahrhunderts.  Das war mein Stand zum Zeitpunkt unseres Besuches, aber ein Blick darauf vor Ort und ich war sicher, das ist nicht osmanisch, das ist genuin römisch.  Die Osmanen haben das Bauwerk offenbar lediglich restauriert.

And here is the aqueduct.  In our guidebooks and indeed in all relatively recent sources (but not very recent or quite old ones) this is billed as a 16C Ottoman structure.  That is what I expected to see, but one look at it once we had arrived and I was certain: this is not Ottoman, this is authentically Roman.  Clearly the Ottoman contribution consisted only in repairing the thing.

P1010851 P1010852 P1010853 P1010854 P1010857

In dem in die Mauer eingelassenen Schriftfeld lese ich die Ziffern 1-2-2-4.  Vermutlich eine Jahreszahl?  (Anders als die Buchstaben werden Zahlen im Arabischen von links nach rechts gelesen, ganz wie im Okzident.)  Das Jahr 1224 islamischer Zeitrechnung wäre das Jahr 1809 christlicher Zeitrechnung.  Ist die Deutung richtig, hätten demnach auch Anfang des 19. Jahrhunderts u.Z. Baumaßnahmen stattgefunden.  Wie gesagt stiftete Mohammed Ali der Stadt 1813 das Imaret; womöglich ließ er auch den Aquädukt reparieren?

In the panel set into the wall I read the numbers 1-2-2-4.  Presumably giving a date (year)?  (Unlike letters, numbers are read from left to right in Arabic, just as in the west.)  The year 1224 Islamic Era would be the year 1809 Christian Era.  If this interpretation is correct there would have been work on the aqueduct carried out in the early 19C as well.  As mentioned above Mohammad Ali gave the town the imaret in 1813.  Perhaps he also had the aqueduct repaired?

P1010858Noch 460 Kilometer bis Konstantinopel (Istanbul).  Auch bis zur türkischen Grenze sind es noch fast 200 Kilometer.  Interessant nicht nur der (christlich ost-)römische Doppeladler auf dem Wegweiser nach Konstantinopel, sondern auch die Benennung des Flughafens nach dem Makedonenkönig Alexander III., einem Helden der griechischen Historie wie der traditionellen (d.h. gerade auch in der osmanischen Epoche wurzelnden) griechischen Folklore.   Beide Schilder dokumentieren einen Besitzanspruch.  Gleichviel, daß wir hier wie gesagt nur im weitesten Sinne in Makedonien sind und Thrakien allgemein wie die Stadt Kabála im Besonderen vor 1913 wohl weit von einer griechischen Bevölkerungsmehrheit entfernt waren.   Das makedonische Herrscherhaus war immerhin hellenisiert und Alexander in der griechischen Sprache zweifellos zuhause.  Die damaligen Makedonen als Volk aber nicht, selbst wenn von der nationalistisch inspirierten griechischen Geschichtsschreibung das Gegenteil behauptet wird.  (Da es keine Schriftzeugnisse der makedonischen Sprache gibt, ist man auf, in meinen Augen allerdings ziemlich eindeutige, Indizien angewiesen.)

Another 460 kilometres to Constantinople (Istanbul).  Even the Turkish border itself is still almost 200km distant.  Both the (christian east-)Roman double eagle on the road sign to Constantinople and the naming of the airport in honour of Alexander III of Macedon are interesting (Alexander is a hero not just of Greek history but also of traditional Greek folklore, with its roots not least or even especially in the Ottoman period).  Both signs stake a property claim.  Even though as mentioned we are, strictly speaking, in Thrace, and only in the wider sense in Macedon(ia), and no matter that in 1913 Thrace in general and Kabála in particular were probably far from having a Greek majority.  What is true is that the Macedonian ruling house had long been hellenised, and Alexander was no doubt at home in the Greek language.  But the Macedonians of that period were not, even though nationalist-inspired Greek historians claim the opposite.  (The Macedonians left no written records of their own, so that regarding the language they spoke all we have is indirect evidence — which to my mind, however, is quite clear that their language was not Greek.)

 

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *