ISTRIEN ISTRIA

September 2021

Mündung der Myrna | des Quieto
Myrna | Quieto estuary
Mündung der Myrna | des Quieto
Myrna | Quieto estuary

Die Myrna (italienisch Quieto) mündet zwischen Poreč | Parenzo und Novigrad | Cittanova. Ebbe. Man ist immer wieder erstaunt, daß die Adria Gezeiten hat — ist aber so…

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The mouth of the Myrna river — in Italian: Quieto — between Poreč | Parenzo and Novigrad | Cittanova, at low tide. Somehow one never thinks of the Adriatic as tidal — but it is…

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Istrien war jahrhundertelang habsburgischer Besitz, mit Ausnahme der Küste, die Venedig gehörte (ohne die Hafenstadt Triest, die sich im 14. Jahrhundert Habsburg eben deshalb unterstellte, um der Vereinnahmung durch Venedig zu entgehen). 1815 gelangte Venedig seinerseits an Österreich-Ungarn, wodurch nun ganz Istrien habsburgisch war. Das blieb es, mitsamt Triest, auch, als Venezien 1866 Teil des neugegründeten Königreichs Italien wurde. Erst 1919 fiel auch Istrien (mit Triest) an Italien, das es 1947 wiederum — bis auf Triest — an Jugoslawien abtreten mußte; dies, obwohl die Italiener die größte Sprachgruppe des Gebietes darstellten. Die meisten Italienischsprachigen verließen daraufhin Istrien oder wurden sogar vertrieben. Heute gehört Istrien zum größten Teil zu Kroatien, ein kleiner nördlicher Teil zu Slowenien, und Triest weiterhin zu Italien. Sowohl in Slowenien wie auch in Kroatien ist in Istrien heute Italienisch wieder Amtssprache, obschon nur von recht wenigen noch gesprochen.

Istria was part of the Habsburg dominions for centuries, except for the coast, which belonged to Venice — minus the port of Trieste, which in the 14th c. placed itself under Habsburg patronage precisely to avoid being taken over by Venice. In 1815 Venice itself became part of Austria-Hungary, which made all of Istria Habsburg territory. So it remained, along with Trieste, even when, in 1866, Venetia joined the newly-founded Kingdom of Italy. It was only in 1919, after the breakup of the Habsburg empire, that Istria (with Trieste) was awarded to Italy. But in 1947 Italy had to cede Istria to Yugoslavia, retaining only Trieste — in spite of the fact that Italian speakers were the largest demographic group in Istria. Most of them left for Italy or indeed were driven out. Today most of Istria belongs to Croatia. A small northern part belongs to Slovenia, and Trieste continues to be Italian. Both Slovenia and Croatia recognise Italian as an official language in their respective parts of Istria, even though there are not that many speakers left.

Autobahn im kroatischen Istrien. Die Verkehrsschilder sind zweisprachig, allerdings nicht immer konsequent. So erscheint hier Rijeka nicht mit seinem italienischen Namen Fiume. Unser Ziel war Poreč, italienisch Parenzo.

Motorway in the Croatian part of Istria. Signage is bilingual but not always consistent. Thus here Rijeka is not given its Italian name of Fiume. Our destination was Poreč, or in Italian Parenzo.

Verkehrschild in Poreč | Parenzo. Hier heißt Rijeka auch Fiume, aber Pazin nicht Pisino; und der italienische Name für Dračevac ist nicht etwa Garbina, sondern Monspinoso… Ein System konnte ich dahinter nicht entdecken.

A road sign in Poreč | Parenzo. Here Rijeka is also called Fiume, but Pazin is not also called Pisino; and the Italian name for Dračevac is not in fact Garbina, but Monspinoso… If there is a system behind this I could not discover it.

Poreč | Parenzo

Gebäude am Hafen.
Buildings by the harbour.

Poreč | Parenzo

Gebäude am Hafen. Unser Hotelzimmer lag in dem gelben Prachtbau links, im zweiten Stock — die zwei vorderen Fensterachsen und die ganze Tiefe des Gebäudes (also alle drei Fenster der Schmalseite). Wie überall an der istrischen Küste floriert der Tourismus enorm, Corona hin, Corona her. Man kann fliegen, nach Triest oder Pula | Pola etwa. Das Gebiet ist aber auch gut mit dem eigenen Auto zu erreichen, zumal aus Süddeutschland, Österreich und Italien. So kann man Fahrräder oder auch den Hund mitnehmen. Was sehr häufig geschieht (auch wir hatten die Fahrräder dabei). Norddeutsche, Niederländer und selbst Skandinavier sieht und hört man ebenfalls häufig, sogar Spanier. Franzosen eher nicht. Italien hat zwar selber Adriaküste, aber sie sieht ganz anders aus, und Kroatien ist billiger. Mit Corona wird lax umgegangen, niemand wollte Impfnachweise oder dergleichen sehen. Masken- und Abstandsregeln sind zwar überall plakatiert, werden aber mehr oder weniger ignoriert. So tragen in den Geschäften eher die Touristen die vorgeschriebene Maske (wennschon oft unter der Nase), Hiesige häufig nicht. Die sehr freundlichen und kontaktfreudigen Einheimischen schütteln sich (und Touristen) auch umstandslos die Hand oder umarmen sich.

Grenzkontrollen, wie sie seit Corona wieder Mode geworden sind, gab es entgegen meiner Erwartung faktisch nicht. Besetzt waren überhaupt nur die Grenzposten an der slowenisch-kroatischen Grenze, weil Kroatien nicht Teil des Schengen-Raums ist. Aber auch da wurden wir einfach durchgewinkt.

Buildings by the harbour. Our hotel room was in the splendid yellow mansion on the left, on the second floor — we had the first two windows facing the harbour (which is on the right) and all three windows of the narrow side. Everywhere on the Istrian coast tourism is booming, Covid or no Covid. You can fly, for example to Trieste or to Pula | Pola. But the region is also easy to reach by car, especially from southern Germany, Austria, and Italy. That way you can take bicycles, or your dog, as is done very frequently. (We too brought our bicycles.) But there were also plenty of people from northern Germany, the Netherlands, and Scandinavia, even from Spain. From France, not so much. Of course Italy has lots of Adriatic coastline itself, but it looks quite different, and Croatia is cheaper. Covid is treated in rather relaxed fashion. No one at all was interested in proof of vaccination or negative tests. Rules for wearing masks and keeping your distance are posted everywhere, but are not taken very seriously. In shops masks tended to be worn by the tourists (if often below their noses), not so much by the natives. The latter are extremely friendly and often eager to talk to you; they do not think twice about shaking hands (including with you) or hugging each other.

Covid has brought back a fashion for border checks, which I rather feared; but there were none really. The only border posts that were even manned were those on the Croatian border, since Croatia is outside the Schengen area. But even there we were waved through.

Unser palastartiges Zimmer — Teilansicht. Ganz billig war es ja nicht, aber anderswo könnte man es sich gar nicht leisten…

Our palatial room, or rather part of it. Perhaps it wasn’t exactly cheap — but elsewhere it would likely have been unaffordable…

Blick aus dem Hotelzimmer.
A view from the room.

Poreč | Parenzo
Poreč | Parenzo
Poreč | Parenzo

Dieser Typus des venezianischen Palazzos mit den gotischen Fenstern, üblicherweise im 15. Jahrhundert erbaut, ist in Istrien häufig.

This type of Venetian palazzo with Gothic windows, habitually of 15th-c. date, is frequent in Istria.

Poreč | Parenzo
Poreč | Parenzo: Euphrasius-Basilika

Das römische Parentium tritt bereits unter Diokletian im 3. oder ganz frühen 4. Jh. als Bischofssitz hervor, der erste bekannte Inhaber des Bistums, der heilige Maurus, soll Opfer der von Diokletian betriebenen Verfolgungen gewesen sein. Maurus‘ Nachfolger Euphrasius ließ im 6. Jh. (wohl in den 540er Jahren) die alte Kathedrale abreißen und baute eine neue. Von weiteren architektonischen Aktualisierungen wurde seither abgesehen. Selbst der Bischofspalast stammt noch in Teilen aus der Spätantike. Vorhersehbares Resultat: eine UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte.

Roman Parentium was an episcopal see already under Diocletian in the 3rd or the very early 4th century — the first known bishop, Saint Maurus, supposedly being among the victims of that emperor’s persecutions. A later bishop, Euphrasius, in the 6th c. (probably in the 540s) demolished the existing cathedral and built a new one. After that no further attempts were made to keep the place architecturally up to date. Even the episcopal palace in part goes back to late antiquity. Predictable result: another UNESCO world heritage site.

Blick vom Glockenturm der Kathedrale (im 15.Jh. errichtet). Im Vordergrund die spätantike Basilika. Die Mosaiken der Stirnwand nur ansatzweise erhalten, im unteren Teil stark restauriert.

Looking down from the cathedral belltower (added in the 15th c.). In the foreground is the late antique basilica. The mosaics on its front survive only partially (the lower part is heavily restored).

Poreč | Parenzo: Euphrasius-Basilika

Im Giebelfeld wohl einst Christus und die zwölf Apostel — wie nochmals auch im Innern zu sehen.

The tympanum apparently once showed Christ flanked by the twelve apostles — a motif repeated inside.

Poreč | Parenzo: Euphrasius-Basilika

Die Säulenbasen wurden vom Vorgängerbau übernommen. Die Säulen selbst, die Kapitelle und die Chorschranken (links) sind Bestellware aus Konstantinopel. Mindestens gilt das für das Material: grauer Marmor von der für ihre Marmorbrüche berühmten Insel Prokonnesos (Marmara Adası) im Marmara-Meer, die auch etwa den Stein des Berliner Pergamon-Altars lieferte. Nicht ermitteln konnte ich bisher, ob namentlich die Bearbeitung der auffallenden, teilweise schon „romanisch“ wirkenden Kapitelle dort erfolgte oder in Parentium. (Mehr Kapitelle weiter unten; siehe auch die Aufnahme des Atriums oben.) Die Stuckierung der Bogenlaibungen ist original, aber nur noch auf einer Seite vorhanden. Die gegenüberliegende Wand ließ ein Erdbeben 1440 teilweise einstürzen und sie mußte neu gebaut werden.

The bases of the columns were reused from the previous building. The columns themselves, their capitals and the chancel enclosure (on the left) were obtained by mail order from Constantinople. At least the raw material was: grey marble from the island of Prokonnesos (Marmara Adası) in the Sea of Marmara, which since antiquity has been famous for its marble quarries (which also for example supplied the marble for the Pergamon Altar in Berlin). What I have not been able to determine is whether, in particular, those remarkable capitals were sculpted there or in Parentium. Many of them to me already look „Romanesque“ (more capitals further down; see also the photograph of the atrium above). The stucco ornaments on the underside of the arches are original but only survive on one side. In 1440 an earthquake caused the wall on the opposite side to collapse, so the arches had to be rebuilt.

Poreč | Parenzo: Euphrasius-Basilika

Wandverkleidung und Mosaiken der Apsis aus der Erbauungszeit. Die Chorschranken wurden anscheinend erst in neuerer Zeit ohne den Oberteil — ein säulengetragener Architrav — wieder eingebaut. Das Ziborium über dem Altar stiftete 1277 der damalige Bischof, von dem nur bekannt zu sein scheint, daß er Otto hieß. Es ersetzt ein Ziborium wohl aus der Erbauungszeit, dessen vier Säulen übernommen wurden.

Ursprünglich bedeckten Mosaiken auch den gesamten Fußboden. Vermutlich waren auch die Wände des Kirchenschiffs irgendwie dekoriert. Jetzt nur noch Reste mittelalterlicher Fresken.

The mosaics and the marble wainscotting of the apse date from the period of construction. So does the enclosure of the chancel; it seems, however, that it was reinstated recently, without the upper part made up of columns carrying an architrave. The ciborium over the altar was given in 1277 by the then bishop, of whom nothing seems to be known except that he was called Otto. It presumably replaces the original ciborium, the four columns of which were reused.

Originally the entire floor was covered with mosaics as well. The nave walls must likewise have borne some form of decoration. There are some scant remnants of medieval frescoes.

Diese kleinen Säulen, jetzt in einem Nebenraum des Atriums zu finden, bildeten offenbar ursprünglich den Oberteil der Chorschranken.

These colonettes, now found in a room off the atrium, apparently once formed the upper part of the chancel enclosure.

Grado: Santa Maria delle Grazie

(Auf einer früheren Reise gar nicht so weit von hier gesehen: Chorschranken des 6. Jhs. samt Oberteil.)
(Seen on an earlier trip not all that far from here: 6th-c. chancel enclosure complete with upper part.)

Poreč | Parenzo: Euphrasius-Basilika

Das Apsis-Mosaik zeigt die Muttergottes mit dem Jesuskind. Dritter von links (wenn man die kleine Figur mitzählt): der Bauherr, als einziger wie die Muttergottes selbst im Purpur-Mantel, Kirchenmodell in der Hand: beschriftet EVFRASIVS EP(iscopu)S.

(Zum Vergrößern anklicken. Wir wissen es heute natürlich besser und schreiben „Euphrasius“ — wobei der Bischof einwenden könnte, daß es keinen wirklich triftigen Grund gibt, das griechische Φ im lateinischen Alphabet nicht einfach als f wiederzugeben, als das es ja schließlich gesprochen wird, statt als ph. Rechtschreibung war allerdings nicht seine Stärke, siehe weiter unten.) Rechts neben ihm sein Vorgänger S(an)C(tu)S MAVRVS.

Wer ist der Herr im goldenen Mantel (zweiter von rechts), wie ihn ansonsten nur der Jesusknabe anhat? Kaiser Justinian? (Aber mit Heiligenschein?) (Warum die drei Figuren rechts nicht etikettiert sind — und es nie waren, wie minutiöse Untersuchungen gezeigt haben — ist ein Rätsel, das Anlaß zu vielen Spekulationen gegeben hat.) Nicht ebenfalls golden kann eigentlich der Mantel der kleinen Figur links sein, beschriftet EVFRASIVS FIL(ius?!) ARC(hidiacon-?). Der Zölibat war ja noch nicht eingeführt (endgültig erst auf dem Zweiten Lateran-Konzil 1139): hatte der Bischof einen Sohn gleichen Namens? Nein, heißt es. Ganz links ein CLAVDIVS ARC(hidiaconus). Um dessen Sohn soll es sich handeln. Dieselbe Abkürzung ARC wäre also einmal zu lesen als archidiaconus (bei Claudius) und einmal als archidiaconi (Genitiv)(bei Euphrasius junior). Das würde erklären, warum es sich augenscheinlich um ein Kind handelt, das also selbst noch kein Amt bekleidete. Doch warum sollte ausgerechnet die nachgeordnete Figur ihren Nachwuchs mit auf das Bild genommen haben dürfen? Mindestens zweideutig bleibt die Sache. (Unter den vielen Mutmaßungen etwa auch die, daß Claudius und der Bischof Brüder waren. Wir hätten es dann mit einer Familienaufstellung zu tun.)

Claudius wie der Bischof recht junge Männer mit gepflegter Barttracht. Hier die beiden noch einmal in Großaufnahme (Foto aus dem Netz):

The mosaic of the apse shows the Madonna with the child Jesus. Third from left (if you count the little figure): the builder, the only one apart from the Madonna to wear a purple cloak, and carrying a model of the church, with a legend that reads EVFRASIVS EP(iscopu)S.

(Click to enlarge. Of course today we know better and write „Euphrasius“ — though the bishop might argue that there is no really compelling reason to render, in the Latin alphabet, the Greek letter Φ as ph rather than simply as f, which is after all how it is pronounced. It is true that spelling was not our hero’s strong suit — see below.) To his right is his predecessor, S(an)C(tu)S MAVRVS.

Who is the gentleman in the golden cloak, worn, apart from him, only by the child Jesus? (Second from right.) The emperor Justinian? (But with a halo?) (Why the three people on the right are not labelled — they really never were, as painstaking examination of the mosaic proved — is a riddle that has sparked endless speculation.) The cloak of the little person on the left can hardly be golden too. He is labelled EVFRASIVS FIL(ius?!) ARC(hidiacon-?). Celibacy had not yet been made compulsory (that happened only in 1139 at the Second Lateran Council): did the bishop have a son with the same name as he? No, we are told. On the far left there is a CLAVDIVS ARC(hidiaconus). The little one is meant to be his son. So the same abbreviation ARC is to be read as archidiaconus in the one instance (Claudius) but as archidiaconi (genitive) in the other (Euphrasius jr.). That would explain why we seem to be looking at a child, who could hardly have an official function yet. But why would a second-tier personage be allowed to include their offspring in the picture? To my mind a degree of ambiguity remains. (One of many hypotheses: Claudius and the bishop may have been brothers. We would thus be looking at a family constellation.)

Both Claudius and the bishop are quite young men with neatly trimmed beards. Below is an enlargement of the pair (found on the internet):

Würde man denen einen Gebrauchtwagen abkaufen? Es gab Leute, zum Beispiel Papst Pelagius I. (im Amt 556-61), die von Euphrasius gar nichts hielten. So schrieb der Papst im März 559 an einen kaiserlichen Beamten namens Johannes: „Welcher Art aber diejenigen sind, die die [rechtmäßige] Kirche fliehen, das lehren Euch zu Genüge die Schandtaten des Eufrasius [so die Schreibweise aller Abschriften] …, ein Mörder, dem Verwandtschaft, Nächstenliebe, Ehrfurcht vor dem Priesteramt nichts bedeuten. Durch Ehebruch mit einer Verwandten hat er es unmöglich gemacht, ihn gebührend zu bestrafen: denn ahndest du den Ehebrecher, kannst du den Inzest nicht mehr ahnden; ahndest du den Inzest, bleibt das Verbrechen des Ehebruchs ungesühnt.“ Johannes soll gegen Leute dieses Schlags vorgehen und sie aus der Provinz Aquileia (= Venetien und Istrien) entfernen… Was an diesen Anschuldigungen Wahres ist, muß dahingestellt bleiben. Hintergrund war der Dreikapitelstreit, der seit 551 die Kirche zerriß: Pelagius, von Kaiser Justinian ins Amt befördert, vertrat dessen Linie. Viele andere in der westlichen (lateinischsprachigen) Christenheit machten dagegen Front — voran der Erzbischof von Aquileia, Paulus (er nahm bei dieser Gelegenheit den päpstlichen Titel „Patriarch“ an), samt seinen Suffraganen, darunter Euphrasius. Allerdings ging, sicher zum Leidwesen des Papstes, Justinian letztlich nicht gegen sie vor.

Would you buy a used car from them? There were those who did not like Euphrasius at all. One was Pope Pelagius I (in office 556-61). Thus in March 559 the pope wrote to an imperial official named Johannes: „Now what sort of people they are who break away from the church you can tell clearly from the misdeeds of Eufrasius [this is the spelling in all the manuscripts] …, a murderer to whom blood relations, Christian charity, respect for the priestly office mean nothing at all. By committing adultery with a relative he has taken away the means to make him atone properly: for if you punish the adulterer, you can no longer punish the incest; if you punish the incest, the crime of adultery remains unavenged.“ Johannes is urged to take measures against villains of this stripe and remove them from the province of Aquileia (= Venetia + Istria). What truth there was in these accusations we will never know. They were made in the context of the so-called Three-Chapter Controversy that was threatening to tear the church apart since 551. Pelagius, placed on the papal throne by the emperor Justinian, defended the position the latter was trying to impose. But many in western (Latin-speaking) christendom refused to conform — most prominently the archbishop of Aquileia, Paulus (who at this point adopted the papal title of „patriarch“), with his suffragans, Euphrasius among them.

In dem Schriftband erklärt Euphrasius, die alte Kirche sei einsturzgefährdet und eng und unzureichend schön gewesen, weshalb er sie habe abreißen lassen, um eine viel bessere zu errichten. (Die Archäologen widersprechen insofern, als Grabungen ergaben, daß die vorige Basilika, aus der ersten Hälfte des 5. Jhs., nicht kleiner war und Euphrasius nicht nur die Fundamente, sondern teilweise auch die Außenmauern übernahm.)

In the text included in the mosaic Euphrasius explains that the old church was threatening to fall down and too small and insufficiently beautiful, so he had it torn down in order build a much nicer one. (The archeologists disagree somewhat: excavations have shown that the footprint of the previous basilica, built in the first half of the 5th c., was essentially the same as that of the present one. Eufrasius in fact reused the foundations and even part of the walls.)

HOC FVIT IN PRIMIS TEMPLVM QVASSANTE RVINA
TERRIBILIS LABSV NEC CERTO ROBORE FIRMVM
EXIGVVM MAGNOQVE CARENS TVNC FVRMA METALLO
SED MERITIS TANTVM PENDEBANT PVTRIA TECTA

VT VIDIT SVBITO LABSVRAM PONDERE SEDEM
PROVIDVS ET FIDEI FERVENS ARDORE SACERDVS
EVFRASIVS S[an]C[t]A PRECESSIT MENTE RVINAM
LABENTES MELIVS SEDITVRAS DERVIT AEDES
FVNDAMENTA LOCANS EREXIT CVLMINA TEMPLI

QVAS CERNIC NVPER VARIO FVLGERE METALLO
PERFICIENS COEPTVM DECORAVIT MVNERE MAGNO
AECCLESIAM VOCITANS SIGNAVIT NOMINE XPI [= Christi]
CONGAVDENS OPERI SIC FELIX VOTA PEREGIT

Offenbar Verse, Distichen. (Hat dann aber nicht die Mittelstrophe eine Zeile zuviel — Distichen sind doch nun einmal Zweizeiler?). Kuriose Orthographie: aecclesia statt ecclesia, labsus und labsura statt lap-, sacerdus statt sacerdos. Kuriose Grammatik: terribilis in der zweiten Zeile hat kein Bezugswort und sollte wohl terribili heißen. furma in der dritten Zeile dürfte als lateinisches Wort unbekannt sein. furva ist vorgeschlagen worden — wie paßt das aber in den Satz? (Mit furvum ließe sich etwas anfangen.) cernic (vierte Zeile von unten) sollte ohne Zweifel cernis heißen.

Wenn auch die Bedeutung insgesamt klar ist, sieht der Text doch selbst mit diesen Verbesserungen verkorkst aus. Noch 1500 Jahre später kam man das nur ziemlich peinlich finden. (Hätte denn der Bischof die Fehler nicht bemerken und Korrekturen verlangen müssen? Konnte der Mann überhaupt lesen? Und die Leute um ihn herum? Schwiegen die weise, oder gar aus Bosheit?)(Anders als teilweise angenommen sind alle Buchstaben authentisch und nicht das Resultat fehlerhafter Restaurierung.)

Diesen Tempel ließ einst Verfall erbeben,
Grauser Einsturz drohte aus Mangel an Festigkeit und Stärke.
Eng und dunkel und schmerzlich Goldes gebrechend [„Gold“ gedeutet als: Mosaiken],
hielt sein moderndes Dach nur Gnade noch aufrecht.

Der umsichtige, vor Glaubenseifer brennende Priester Euphrasius,
der sah, daß seine Kirche alsbald unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen würde,
kam aus frommem Sinne dem Einsturz zuvor.
Den schwankenden Bau riß er nieder, einen besseren zu errichten.
Er legte den Grund, er erhob die Giebel

Des Hauses, das schimmernd vor buntem Gold du nun siehst.
Was er begonnen, vollendete er, indem er es aufwändig schmückte.
Der Kirche gab er den Namen und heiligte sie im Namen Christi,
freute sich an seinem Werk und erfüllte so glücklich sein Gelübde.

The text is evidently in verse. Distichs — but there would seem to be a line too many in the middle stanza, since distichs only ever come in pairs! The spelling is odd: aecclesia instead of ecclesia, labsus and labsura rather than lap-, sacerdus rather than sacerdos. There are grammatical issues: terribilis in the second line does not readily relate to anything and was likely meant to read terribili. furma in the third line is not a known Latin word. furva has been suggested instead — but how would it fit in grammatically? (I could make sense of furvum.) cernic (fourth line from the bottom) is evidently to be read as cernis.

Although the general meaning is clear, even the emendations leave the text looking somewhat garbled. 1500 years on one cannot but feel a bit embarrassed for our bishop. (I mean, should he not have noticed and demanded corrections? Could the man even read? Could anybody around him, or did they wisely, or from malice, hold their tongues?)(Contrary to what some have claimed all the letters are authentic. None are the result of faulty restoration.)

This was once a temple shaking with decay and
threatening disastrous collapse, devoid of firmness and strength,
cramped and dark and sorely lacking in gold [interpreted as meaning mosaics],
its rotted roofs held up by grace alone.

When the prudent priest Euphrasius, in his fervent zeal for the faith,
saw that his church was about to buckle under its own weight,
he piously forestalled its collapse
and in order to provide a better one pulled the tottering edifice down.
He laid the foundations, he raised the gables,

Of the building you see now, resplendent with shimmering gold.
What he had begun he completed by decorating it lavishly.
He gave the church its name and hallowed it in the name of Christ
and thus, taking pleasure in his work, happily fulfilled his vow.

Die Apsis-Wand unterhalb der Mosaiken ließ Euphrasius mit bunten Steinen (verschiedener Marmor, Porphyr, Lapislazuli), Farbglas und Perlmutt verkleiden, wobei Elemente einer älteren Wanddekoration wiederverwendet wurden. Die ältere Wandverkleidung, liest man, sei besser verarbeitet gewesen. Die Welt ging schon immer vor die Hunde. Die Säulen des Ziboriums offenbar ebenfalls aus der Euphrasius-Zeit. Die Kapitelle augenscheinlich aus derselben Werkstatt wie die der Langhaus-Säulen.

The wall of the apse below the mosaics has wainscotting of coloured stone (various kinds of marble, porphyry, and lapislazuli), coloured glass and mother-of-pearl, which Euphrasius partly reused from an older wainscotting. That older one was of better workmanship, we are told. The world has forever been going to the dogs. The columns of the ciborium also presumably date from the time of Euphrasius. Their capitals look as if they came from the same workshop as those of the columns of the nave.

EGO SVM LVX VERA

Ich bin das wahre Licht | I am the true light

Jesus hier im goldverbrämten Purpur, auf der Weltkugel sitzend, und als bartloser Jüngling dargestellt. Gestandene, barttragende Männer dagegen die flankierenden Apostel, Petrus mit seinen Schlüsseln und Paulus, der wohl zwei seiner Briefe in der Hand hat. Dabei halten die beiden diese Gegenstände, ohne sie anzufassen: ihre Hände sind „veliert“ — mit einem Tuch bedeckt, oder einer Gewandfalte; hier sieht es aus wie Handschuhe. Die verhüllten Hände sind in der byzantinischen Kunst ein Zeichen des Respekts vor heiligen Gegenständen. (Tatsächlich ist der Hintergrund dieser sogenannten manus velatae noch etwas komplizierter und recht faszinierend — aber ich sollte hier besser keine Vorlesung schreiben…)

Dieses Mosaik wurde durch das Einziehen einer barocken Holzdecke vor allem im unteren Bereich stark beschädigt und 1889/90 rekonstruiert. Ein rotes Band trennt den originalen Teil (oben) von dem wiederhergestellten. Allerdings war auch oberhalb des Bandes viel verloren, wie Fotografien des Zustandes vor der Restaurierung zeigen. So hatte Jesus kein Gesicht mehr, und selbst ob er nicht eher auf einem Thron saß, läßt sich nicht sagen. Das Buch mit dem Schriftzug (EGO SVM…) ist immerhin original. Der Restaurator (Pietro Bornia) orientierte sich an dem berühmten Apsismosaik in San Vitale in Ravenna, das aus der gleichen Zeit stammt: junger Christus, auf blauer Kugel sitzend.

Jesus here wearing a purple cloak with a golden stripe and sitting on a globe, depicted as a beardless young man. By contrast, the flanking apostles are elderly men with beards — Peter carrying his keys, and Paul what looks like a couple of his epistles. But they are not touching them: their hands are „veiled“, covered by a cloth or a fold of the clothing (in this instance they actually seem to be wearing gloves). In Byzantine art covered hands are a sign of respect for sacred objects. (Actually the background of this tradition of manus velatae is a little more complicated, and quite fascinating — but I’d better not turn this into too much of a lecture…)

The lower part of this mosaic was heavily damaged when a new wooden ceiling was fitted in the Baroque period. It was repaired in 1889/90, with a red line separating the original part (on top) from the reconstructed portion. However, as photographs taken prior to the restoration show, much was missing even above the red line, including the face of Christ. Nor is it clear whether he really was sitting on a globe — it may well have been a throne. At least the book with the writing (EGO SVM…) is original. The restorer (Pietro Bornia) based his reconstruction on the famous mosaic in the apse of San Vitale in Ravenna, which dates from the same period: young Christ, seated on a blue globe.

Auch Euphrasius und Maurus haben ihre Hände verhüllt. Die Apostel über ihnen verbergen teilweise ihre Hände wie sie in einer Gewandfalte, teilweise scheinen sie Handschuhe zu tragen (aus den erwähnten Fotografien geht hervor, daß Bornia die „Handschuhe“ nicht erfunden hat.) Claudius hingegen faßt den Codex, den er trägt, kurioserweise mit bloßen Händen an — deren helle Farbe scheint mit der seines Gesichts identisch.

Euphrasius and Maurus also hide their hands in a fold of their robes. Some of the apostles above them do the same, others seem to be wearing gloves. (The above-mentioned photographs show that the „gloves“ were not invented by Bornia.) Claudius curiously seems to be holding the codex he is carrying in his bare hands — their light colour seems identical with that of his face.

Irgendwie größenwahnsinnig muß der Mann gewesen sein: nicht weniger als jedes dieser Kapitelle (genauer jeder der zugehörigen Kämpfer) trägt das Monogramm des Euphrasius.

Our bishop must have been something of a megalomaniac: each and every one of these capitals (or to be more precise of the imposts above them) bears his monogram.

EVF(ra)S(iu)S EP(iscopu)S

E und S sind zwar nur je einmal vorhanden, aber sicherlich zur Mehrfachnutzung gedacht. Frappierend der Kontrast zwischen der aufwendigen Bearbeitung der Kapitelle und der kruden Bearbeitung der Kämpfer. Dem Vogel rechts sind leider Kopf und Schnabel abhanden gekommen.

Die Kämpfer passen von der Farbe, aber wie hier nicht immer ganz von der Form her. Letzteres gilt auch für manche der Kapitelle in Bezug auf die Säulen. Solcherlei Diskrepanzen könnten darauf hindeuten, daß die Kapitelle nicht vor Ort gestaltet, sondern fertig bezogen wurden.

There is only one E and one S, but both are clearly meant to serve more than once. One is struck by the contrast between the elaborately sculpted capitals and the crudeness of the imposts. The bird on the right has sadly lost its head and beak.

The imposts have the right colour, but as in the instance above do not always fit properly. Nor do all the capitals fit their columns all that well. Such discrepancies would seem to indicate that the capitals were imported ready-made, rather than created on the building site.

Lapidarium im Untergeschoß des Bischofspalastes. Der Fisch ist ein christliches Symbol, dieser — aus einem Vorgängerbau der Basilika — aber sieht gar nicht christlich aus, eher raubfischhaft. Die Stele daneben stammt wieder von Euphrasius und trägt im Bogen untenstehende Inschrift:

Lapidarium in the basement of the bishop’s palace. The fish is a Christian symbol, but this fish — from a predecessor of the basilica — does not look Christian at all, clearly a predator. The stela next to it was commissioned by Euphrasius. The inscription on the arch reads:

FAMUL[us] D[e]I EVFRASIVS ANTIS[tes] TEMPORIB[us] SVIS AG[ens] AN[num] XI A FONDAMEN[tis] D[e]O IOBANT[e] S[an]C[t]E AECL[esie] CATHOLEC[e] LOC[um] CON[didit]

Man rauft sich die Haare und möchte dem Steinmetzen ein lateinisches Wörterbuch in die Hand drücken: fondament- statt fundament-, iobante statt iuvante, sancte statt sanctae (aber dann aeclesia statt ecclesia), catholec- statt catholic-. Was oben mit Kleinbuchstaben wiedergegeben ist, hat er weggelassen, kein Teil der Inschrift ist unlesbar — allerdings sind teilweise unterschiedliche Ergänzungen denkbar. Heißen soll das offenbar im Prinzip: Der Diener Gottes Bischof Euphrasius hat im elften Jahr seiner Amtszeit mit Gottes Hilfe diesen Ort der heiligen katholischen Kirche von Grund auf errichtet.

Gnashing your teeth, you fight the urge to press a Latin dictionary into the stonemason’s hands: fondament- instead of fundament-, iobante instead of iuvante, sancte instead of sanctae (immediately followed by aeclesia instead of ecclesia), catholec- instead of catholic-. What I have transcribed with lower-case letters indicates letters deliberately left out, no part of the inscription is illegible. However, in some instances more than one reading is possible. The meaning is presumably this: The servant of God bishop Euphrasius, in the eleventh year of his tenure, has with God’s help raised this place from the foundations for the Holy Catholic Church.

1944: Schutzmaßnahmen gegen Luftangriffe der Alliierten. Bomben fielen wirklich auf Poreč, doch nicht auf die Basilika.

1944: protection against Allied air raids. Bombs did fall on Poreč, though not on the basilica.

1992: das ehemalige Jugoslawien versinkt im Bürgerkrieg. In Poreč geht man kein Risiko ein.

1992: ex-Yugoslavia is engulfed in civil war. In Poreč precautions are taken once more.

Atrium, Baptisterium und Glockenturm.

Poreč | Parenzo: Bischofspalast

Unter den Bischofsresidenzen der Christenheit dürften Empfangshallen des 6. Jhs. ein Alleinstellungsmerkmal sein. Die ursprüngliche Dekoration hat man sich natürlich wesentlich aufwendiger vorzustellen. Im 17. Jh. wurde hier ein Zwischengeschoß eingezogen und in den 1980er Jahren wieder entfernt. Der Stuck der Bogenlaibung findet sich ähnlich in der Basilika und deutet auf Euphrasius. Die Datierung des Komplexes ist kompliziert, vermutlich wurde er wie das Bapisterium von Euphrasius eher umgebaut als neu errichtet.

Among the episcopal residences of Christendom few boast sixth-century reception halls. In fact this may well be the only one. Of course you have to imagine the original decor as much more sumptuous. In the 17th c. the room was divided vertically by a mezzanine floor, removed in the 1980s. The stucco ornamentation of the arch looks similar to that found in the basilica and points to Euphrasius. But the date of the original complex is difficult to determine. Euphrasius probably altered an existing building, as was also the case with the baptistery.

Poreč | Parenzo: Bischofspalast

Andere Teile des Komplexes wurden, wie man hier sieht, in jüngerer Zeit leicht modernisiert. Er diente immerhin noch bis 1992 seiner ursprünglichen Zweckbestimmung als Wohnung des Bischofs, und im Obergeschoß scheinen sich noch immer kirchliche Büros zu befinden.

Bischofsliste der Diözese Poreč. 1828 wurde das Bistum mit Pula zusammengelegt, die Bischofskirche ist aber hier, die in Pula nurmehr Konkathedrale.

Other parts of the complex have, in more recent times, been modernised slightly, as can be seen above. The building served its original purpose as accommodation for the bishop until 1992, and in fact the upper storey is apparently still used as office space by the church.

List of bishops of the diocese of Poreč. In 1828 the bishopric was merged with Pula, but the main cathedral is here, with that in Pula reduced to the status of co-cathedral.

Poreč | Parenzo: Euphrasius-Basilika & Bischofspalast

Von links nach rechts: Basilika, Glockenturm, der Bischofspalast mit seiner apsidialen Empfangshalle, Turm der Franziskanerkirche.

From left to right: basilica, belltower, the bishop’s palace with its apsidal reception hall, and the tower of the Greyfriars Church.

Vrsar | Orsera
Vrsar | Orsera
Vrsar | Orsera

Blick von Vrsar auf die Küste.
View of the coast from Vrsar.

Motovun | Montona

Von Motovun unternahmen wir eine unserer Radtouren. Wir folgten hierbei der Trasse der Parenzana, einer 1902 eröffneten Schmalspurbahn, die Triest mit Poreč verband und bis 1935 betrieben wurde. Jetzt ein Rad- und Wanderweg.

We started one of our cycle tours from Motovun, following the trackbed of the Parenzana, a narrow-gauge railways linking Trieste with Poreč | Parenzo. Opened in 1902, it operated until 1935. Now it serves as a trail for cyclists and hikers.

Landschaft bei Livade | Levade

Das ist nicht die Trasse, die hatten wir hier im Tal gerade verloren. Die Bahn verlief weiter rechts. Sie erreicht im Tal ihren tiefsten Punkt zwischen den beiden Endbahnhöfen und steigt also von hier aus wieder an.

This is not the former railway, which we had just lost down here in the valley. It ran further to the right. In crossing valley it reached the lowest point between the two terminuses, so from here the trail rises again in both directions.

Parenzana: Viadukt von Antonci | Antonzi

Im slowenischen Teil ist die Trasse angeblich asphaltiert, in Kroatien leider (noch) nicht. Ist uriger, aber, wie jemand im Netz dazu bemerkt, „der Radweg ist eher ein Gleisbett“.

In Slovenia the trail is paved (it is said), but not (or not yet) in Croatia. That’s more authentic somehow, but also arduous to negotiate by bicycle.

Parenzana: Viadukt bei Završje | Piemonte
Motovun | Montona

Blick auf Motovun von der anderen Seite, dazwischen das Tal der Myrna | des Quieto, in dem Livade liegt.

A view of Motovun from the other side. In between is the valley of the Myrna | Quieto, in which Livade lies.

Parenzana: Tunnel bei Završje | Piemonte
Parenzana: Bahnhof von Završje | Piemonte

Viele Bahnhöfe der Parenzana sind intakt. Wo nicht, liegen sie wie hier wohl oft einfach zu weit von dem zugehörigen Ort entfernt, und dort aus gesehen unbequem hoch oder niedrig.

Many stations of the Parenzana are intact. Where they are not, as here, they are presumably too inconviently located, at a considerably distance from the village they served and too high up or too low.

Hinter Završje verließen wir die Bahntrasse wieder talwärts, um nach Motovun zurückzukehren.

Having passed Završje we left the rail trail to descend back into the valley to return to Motovun.

Kostanjica | Castagna

Im Hintergrund Motovun.
Motovun in the background.

Kostanjica | Castagna
ASPETTANO QUI LO SQUILLO DELL’ANGELICA TROMBA I MORTALI SPOGLIE…

Friedhof bei Kostanjica | Castagna. „Hier erwarten den Schall der Trompete des Engels der Auferstehung die sterblichen Reste…“

Cemetery near Kostanjica | Castagna. „Here await the sound of the trumpet of the angel of resurrection the mortal remains of…“

Der Ort auf dem Bergrücken im Hintergrund ist Grožnjan | Grisignana.

The hilltop village in the distance is Grožnjan | Grisignana.

Motovun | Montona
Pula | Pola: Amphitheater

In Pula (der kroatische Name entspricht dem antiken, italienisch aber Pola) bauten die Römer ihren üblichen Kram, von dem allerdings unüblich viel übrig blieb. Das Amphitheater, zu Beginn unserer Zeitrechnung unter Augustus erbaut, ist das Wahrzeichen der Stadt. Auf Fotos wirkt es irgendwie immer kleiner, als es tatsächlich ist. Ich habe versucht, diesen Effekt zu minimieren, aber wer nach Pula kommt, wird sicher immer noch überrascht sein, wenn er davorsteht.

In Pula (called the same in Croatian as by the Romans, but the Italian is Pola) the Romans built their usual stuff. What is unusual is how much there is left of it. The amphitheatre, built at the beginning of our era under Augustus, is the town’s chief landmark. In photographs it somehow always looks smaller than it actually is. I have tried to minimise this effect, but if you go to Pula you will still be surprised when you stand in front of it.

Pula | Pola: Amphitheater
Pula | Pola: Amphitheater

Es gab natürlich auch noch Sitzstufen mit gewölbten Unterbauten bis zur Höhe der oberen Fensterreihe. Aus den zugehörigen Steinen ist vermutlich ein großer Teil der heutigen Altstadt von Pula erbaut.

Of course there were also rows of stone seats with vaulted substructures up to the level of the upper row of windows. Presumably much of the stone has gone into building the old town of present-day Pula.

Pula | Pola: Amphitheater
Pula | Pola: venezianisches Kastell & Franziskanerkirche
Pula | Pola
Pula | Pola: Augustus-Tempel

Der Tempel wurde im Jahr 14 u.Z. fertiggestellt. Die schlimmsten Schäden in seiner 2007jährigen Geschichte erlitt er sinnigerweise bei den allierten Luftangriffen 1944-45.

The temple was completed in the year 14 of our era. Ironically it suffered the worst damage in its 2,007-year history in the Allied bombings of 1944-45.

Pula | Pola: Augustus-Tempel
Pula | Pola: Augustus-Tempel

Die Ecke rechts vorn gehört zum Rathaus, das aus verschiedenen Epochen stammt. Gut sichtbar wurde in seine Rückwand die Rückfront des Diana-Tempels verbaut, der neben dem Tempel des Augustus stand.

The corner on the right is part of the town hall, which dates from different periods. At the back you can still clearly see the rear façade of the temple of Diana that once stood next to the temple of Augustus.

Pula | Pola: Sergier-Bogen
Pula | Pola: Sergier-Bogen (Detail)

Laut Inschrift ließ Salvia Postuma Sergia den Bogen zu Ehren ihres Gatten Lucius Sergius Lepidus sowie ihres Schwiegervaters Lucius Sergius und ihres Schwagers Gaius Sergius errichten. Lucius Sergius Lepidus war Tribun in der 29. Legion, die an der für Octavian-Augustus siegreichen Schlacht bei Actium 30 v.u.Z. teilnahm und 27 v.u.Z. aufgelöst wurde. Innerhalb dieses Zeitraums von drei Jahren wird der Bogen entstanden sein. Die Sergier waren ein römisches Patriziergeschlecht, dessen Mitglieder wiederholt das Konsulat (zuerst 431 v.u.Z.) und andere Ämter der römischen Republik bekleideten.

According to the inscription the arch of the Sergians was built by Salvia Postuma Sergia in honour of her husband Lucius Sergius Lepidus as well as of her father-in-law Lucius Sergius and her brother-in-law Gaius Sergius. Lucius Sergius Lepidus was a tribune in the 29th legion that participated in the battle of Actium of 30 BCE, won by Octavian-Augustus. It was dissolved in 27 BCE. The arch was probably put up during this three-year period. The Sergians were a patrician family whose members repeatedly held the consulate (the first time in 431 BCE) and other offices of the Roman republic.

Fažana | Fasana

Kleiner Küstenort nördlich von Pula. Von hier setzt man auf die in Sichtweite gelegenen Brijuni- | Brioni-Inseln über. Ende des 19. Jhs. zog ein österreichischer Investor dort einen bei der europäischen Oberschicht zeitweilig beliebten Hotel- und Kurbetrieb auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg residierte dort Marschall Tito. Heute sind die Inseln Nationalpark. Man kann sie allerdings nur erreichen, wenn man entweder dort logiert oder einen geführten Tagesausflug bucht.

A coastal village north of Pula. From here you can take a boat to the Brijuni | Brioni islands, within sight of the coast. At the end of the 19th c. an Austrian investor bought them and created hotels and a spa that for a while were popular with the high society of Europe. After the Second World War Marshal Tito resided there. Today the islands are a national park. To get there, however, you either have to book accommodation there or go on an organised tour.

Gračišće | Gallignana
Gračišće | Gallignana

Viele Gebäude im Ort stehen leer. Die übrigen scheinen überwiegend als Ferienwohnungen zu dienen. Hier im Landesinneren leben wohl nur noch wenige Menschen dauerhaft — und wenn, dann eher in größeren Orten wie dem nahegelegenen Pazin | Pisino. (Und nicht in so unpraktischen alten Kästen.)

Many buildings in the little town are empty. The rest seem mainly to serve as holiday homes. These days not so many people seem to reside permanently here in the interior — and if they do it is probably in the larger places like nearby Pazin | Pisino. (And not in such impractical ancient piles.)

Gračišće | Gallignana
Gračišće | Gallignana
Gračišće | Gallignana

Ausblick vom Kirchhof in Gračišće. Wir unternahmen von hier eine längere Wanderung ins Tal und wieder zurück.

The view from Gračišće churchyard. From there we went on a hike down into the valley and back.

Gračišće von weiter unten.
Gračišće from further down.

Bei Gračišće. Dieses Bergkirchlein lag am Weg.
Near Gračišće. This little hilltop church lay on our way.

Pazin | Pisino

Das Kastell in Pazin.
The castle of Pazin.

Pazin | Pisino

Das Kastell liegt am Rand einer Schlucht. In seinem Roman Mathias Sandorf von 1885 macht Jules Verne es zum Schauplatz einer wagemutigen Flucht und beschreibt es so (Text französisch – deutsch – englisch):

The castle overlooks a gorge. In his novel Mathias Sandorf of 1885 Jules Verne makes it the scene of a daring escape and describes it thus (text in French – German – English):

La forteresse de Pisino est un des plus curieux spécimens de ces formidables bâtisses, qui furent élevées au moyen âge. Elle a très bon air avec son aspect féodal. Il ne manque que des chevaliers à ses larges salles voûtées, des châtelaines, vêtues de longues robes ramagées et coiffées de bonnets pointus, à ses fenêtres en ogive, des archers ou des arbalétriers aux mâchicoulis de ses galeries crénelées, aux embrasures de ses mangonneaux, aux herses de ses ponts-levis. L’œuvre de pierre est encore intacte ; mais le gouverneur avec son uniforme autrichien, les soldats dans leur tenue moderne, les gardiens et porte-clefs, qui n’ont plus rien du costume mi-partie jaune et rouge du vieux temps, mettent une note fausse au milieu de ces restes magnifiques d’une autre époque.

C’était du donjon de cette forteresse, que le comte Sandorf prétendait s’évader pendant les dernières heures qui allaient précéder l’exécution. Tentative insensée, sans doute, puisque les prisonniers ne savaient même pas quel était ce donjon qui leur servait de prison, puisqu’ils ne connaissaient rien du pays à travers lequel ils devraient se diriger après leur fuite !

Et peut-être était-il heureux que leur ignorance fût complète à cet égard ! Mieux instruits, ils auraient sans doute reculé devant les difficultés, pour ne pas dire les impossibilités d’une pareille entreprise.

Voici, en effet, quelle est la situation et la disposition extérieure du donjon dans la forteresse de Pisino.

Ce donjon occupe le côté d’une terrasse, qui termine brusquement la ville en cet endroit. Si l’on s’appuie sur le parapet de cette terrasse, le regard plonge dans un gouffre large et profond, dont les parois ardues, tapissées de longues lianes échevelées, sont coupées à pic. Rien ne surplombe de cette muraille. Pas une marche pour y monter ou en descendre. Pas un palier pour y faire halte. Aucun point d’appui nulle part. Rien que des stries capricieuses, lisses, effritées, incertaines, qui marquent le clivage oblique des roches. En un mot, un abîme qui attire, qui fascine et qui ne rendrait rien de ce qu’on y aurait précipité.

C’est au-dessus de cet abîme que se dresse un des murs latéraux du donjon, percé de quelques rares fenêtres, éclairant les cellules des divers étages. Si un prisonnier se fût penché en dehors de l’une de ces ouvertures, il aurait reculé d’effroi, à moins que le vertige ne l’eût entraîné dans le vide ! Et s’il tombait, qu’arriverait-il ? Ou son corps se briserait sur les roches du fond, ou il serait emporté par un torrent, dont le courant est irrésistible à l’époque des fortes eaux.

Die Festung von Pisino gehört mit zu den wunderlichsten Bauten mittelalterlicher Festungsarchitektur. Sie macht sich mit ihrem feudalen Aussehen sehr malerisch. Es fehlen in ihren langen, gewölbten Hallen nur die Ritter, Schloßfrauen, mit langen, gestickten Gewändern und Spitzenhauben angethan an den Spitzbogenfenstern, Bogen- oder Armbrustschützen auf den ausgezackten Mauerkränzen, an den Schießscharten ihrer Gallerien, an dem Schutzgatter der Fallbrücken. Das Steinwerk steht noch unbeschädigt da, aber der Gouverneur in seiner österreichischen Uniform, die Soldaten in ihrem neuzeitigen Anzuge, die Wächter und Thorhüter, sie zeigen nichts mehr von dem halb gelben und rothen Kostüm der alten Zeit und bringen einen Mißton in diese prächtigen Ueberreste aus einem verflossenen Zeitalter.

Von dem Wartthurme dieser Festung aus beabsichtigte Graf Sandorf während der letzten Stunden vor seiner Hinrichtung zu entfliehen. Ein unsinniger Versuch, da die Gefangenen nicht einmal wußten, wie der Thurm, der ihnen als Gefängniß diente, beschaffen war, da sie ferner das Land nicht kannten, welches sie nach vollführter Flucht durchkreuzen mußten.

Vielleicht war es gut, daß ihr Wissen in dieser Beziehung gleich Null war. Wären sie besser unterrichtet gewesen, so würden sie wahrscheinlich vor den Schwierigkeiten, besser gesagt vor der Unmöglichkeit eines solchen Unternehmens zurückgebebt sein.

Die Lage und die äußere Gestaltung des Wartthurmes der Festung Pisino waren, wie folgt beschaffen.

Der Thurm erhebt sich auf derjenigen Seite der Anhöhe, welche an dieser Stelle der Stadt plötzlich ein Ende macht. Wenn man sich über die Brustwehr dieser Terrasse lehnt, so taucht der Blick in einen breiten und tiefen Schlund, dessen steile Wände von langarmigen Schlingpflanzen in unentwirrbarem Gemisch umkränzt werden und schnurgerade in die Tiefe gehen. Nichts unterbricht ihre glatte Fläche. Keine Stufe zeigt sich, mit deren Hilfe man hinauf- oder herunterklettern, nirgends eine Handhabe, auf die man sich stützen könnte. Nur die in willkürlicher Ordnung sich gebenden, glatten, ausgebleichten, unbestimmten Streifen sieht man, welche die schräge Spaltung der Felsen andeuten. Wir haben mit einem Worte einen Abgrund vor uns, der unseren Blick anzieht, fesselt und welcher von dem, was da hinein geworfen wird, gewiß nichts wieder herausgibt.

Oberhalb dieses Abgrundes steigt eine der Seitenwände des Thurmes auf, hie und da ist sie von Fenstern durchbrochen, die den Zellen in den verschiedenen Stockwerken das Licht zuführen. Wenn ein Gefangener sich aus einer dieser Oeffnungen herausgebeugt hätte, so würde er jedenfalls vor Schreck zurückgeprallt sein, wenn ihn nicht ein plötzlicher Schwindel schon zuvor in den Abgrund gerissen haben würde. Und wohin wäre er wohl gerathen, wenn er hinuntergefallen sein würde? Entweder wäre sein Körper auf den am Boden des Abgrundes befindlichen Felsen zerschmettert oder von einem Gießbache fortgeschwemmt worden, dessen Fluth zur Zeit des Wasserganges von den Bergen von einer unwiderstehlichen Kraft ist.

Diese Übersetzung erschien 1887 im Verlag Hartleben (Wien, Pest, Leipzig); ich habe nicht ausfindig machen können, von wem sie stammt.

The fortress of Pisino is one of the most curious specimens of those formidable buildings which arose in the Middle Ages. It has a fine feudal aspect. It only wants the knights in its vaulted halls and the ladies in their long brocaded robes and pointed bonnets at its arched windows, and the archers and crossbowmen on its machicolations, its battlemented galleries, its mangonels at the embrasures, its portcullis, and its drawbridges. The stonework is still intact; but the governor with his Austrian uniform, the soldiers with their modern weapons, the warders and turnkeys who no longer wear the particoloured costume, half-yellow and half-red, of the old days, strike a false note in the midst of all this magnificence of the past.

It was from the donjon of this fortress that Count Sandorf was endeavouring to escape during the last hours before his execution. A mad attempt no doubt; for the prisoners did not even know in what part of the donjon their prison lay, nor anything of the country across which they would have to journey after their escape.

And perhaps it was fortunate that their ignorance was complete in the matter. Had they known more, they might have recoiled before the difficulties, to say nothing of the impossibilites, of such an enterprise.

The situation and exterior arrangement of the donjon in the fortress of Pisino were as follows: The donjon occupies one side of the terrace with which the town here ends. Leaning over the parapet of this terrace the eye plunges into a deep ravine, whose rugged sides, covered with thick entanglements of creepers, are cut down perpendicularly. Nothing overhangs the wall; there is not a step to enable one to ascend or descend; not a fence to halt at; not a prominence to seize hold upon in any part of it; nothing but the uncertain lines, smooth, rubbed, and irregular, which mark the oblique cleavage of the rocks. In a word, it is an abyss which attracts, fascinates, and never gives back anything that drops into it.

Above this abyss rises one of the side walls of the donjon, pierced with a few windows giving light to the cells on the different floors. Were a prisoner to lean out of one of these openings, he would recoil with terror, lest vertigo drag him into the void below! And if he fell, what would be his fate? His body would be dashed to pieces on the rocks at the bottom, or it would be carried away by the torrent whose current during flood is irresistible.

English translation by George Hanna (London 1889).

Limski Kanal (Limski Zaljev)

Istrien besteht aus Kalkstein, den das Regenwasser auflöst: es ist ein Land der Tropfsteinhöhlen und unterirdischen Wasserläufe. In dem Roman fallen Sandorf und sein Begleiter in den Fluß, der am Grund der Schlucht von Pazin in einer Grotte verschwindet. Diesen unterirdischen Flußlauf läßt Verne in einem Meeresarm enden, den ein abgesacktes Karsttal bildet und der sich kroatisch Limski Kanal nennt. In der deutschen Übersetzung von 1887 heißt dieser zehn Kilometer lange Meeresarm „die Bucht von Lemme“ (zaljev = „Bucht“); heute wird, neben „Lim-Bucht“, deutsch meist die Bezeichnung „Limfjord“ gebraucht. Was mich insofern irritiert, als das Wort „Fjord“ nun einmal Skandinavien assoziiert und es in Dänemark einen „Limfjord“ schon gibt… Auch das Wort „Kanal“ paßt auf das sich schlängelnde Gewässer freilich schlecht. Auch Verne gebraucht es aber: „le canal de Lème“.

(„Lim“ angeblich von lateinisch limes, „Grenze“. Laut deutscher Wikipedia stieß hier in römischer Zeit die Provinz Italia an die Provinz Dalmatia. Stimmt aber nicht ganz: die Westküste Istriens gehörte anscheinend bis einschließlich Pula zur Provinz Italia, das Hinterland dann zu Dalmatia. Laut italienischer Wikipedia markiert das Gewässer vielmehr die Grenze der jeweils zu Poreč | Parenzo und Rovinj | Rovigno gehörigen Gebiete.)

Istria is made up of limestone, which the rainwater dissolves: it is a land of stalactite caves and underground streams. In the novel Sandorf and his companion fall into the torrent at the bottom of the gorge, which disappears into the rocks. Verne lets this subterranean river end in a long narrow bay formed by a sunken valley known in Croatian as Limski Kanal. Verne calls it „le canal de Lème“, and the 1889 English translation „the Leme Canal“. The English Wikipedia knows it by the name of Lim Bay (zaljev = „bay“). It is 10km long — really a bit long for a „bay“, but really not straight enough for a „canal“. It is more like a Scottish firth.

(„Lim“ supposedly derives from Latin limes, „border“. According to the German Wikipedia this was were the Roman province of Italia ended and the province of Dalmatia began. But it seems that in fact the entire west coast of Istria right down to Pula was part of the province of Italia, with only the hinterland belonging to Dalmatia. According to the Italian Wikipedia the bay marks the border between the respective territories of Poreč | Parenzo and Rovinj | Rovigno.)

Rovinj | Rovigno

Die Aufnahme ist von Vrsar aus gemacht: die Lim-Bucht verläuft hinter dem vorderen Hügelrücken.

The photograph was taken from Vrsar: the Lim bay is behind the ridge in the foreground.

Rovinj | Rovigno

Nach einem einstündigen Marsche hoben sich in der Entfernung von ungefähr einer Viertelmeile die unbestimmten Umrisse einer Stadt von dem dunklen Hintergrunde ab …. Mathias Sandorf war entschlossen, die Stadt nicht zu betreten, in der die Anwesenheit zweier Fremden schnell genug bekannt geworden wäre …. Fast gleichzeitig drohte eine aus einem der Thore der Stadt kommende Schaar Polizisten ihnen den Weg abzuschneiden. Sie hatten gerade noch Zeit, sich seitwärts zu schlagen; dann stürmten sie die Hafenmauer entlang dem Meere zu.

Dort stand eine bescheidene Fischerhütte; ihre Fenster waren erleuchtet, die Thür weit offen …. Graf Sandorf und sein Genosse eilten auf die Thüre des Hauses zu und blieben an der Schwelle stehen. Ein Mann war im Innern beim Scheine einer Schiffslampe damit beschäftigt, Netze auszubessern.

»Wollt Ihr mir sagen, mein Freund, wie diese Stadt sich nennt?

– Rovigno.

– Bei wem befinden wir uns hier?

– Bei dem Fischer Andrea Ferrato.

– Wäre der Fischer Andrea Ferrato geneigt, uns für diese Nacht bei sich aufzunehmen?«

Andrea Ferrato blickte die Angekommenen an; er trat an die Thür und bemerkte die Schaar der Polizisten, die gerade um die Ecke der Hafenmauer bog; er ahnte zweifellos, wer die Fremden waren, die ihn um Gastfreundschaft baten, und begriff, daß sie verloren waren, wenn er zögerte.

»Treten Sie ein!« sagte er.

About half-past nine the vague outline of a town appeared about a quarter of a mile ahead in the darkness …. Sandorf had quite decided not to enter the town, where the presence of two visitors would soon be known …. Almost at the same moment a squadron of police came out from one of the gates of the town and threatened to bar the way. They had only just time to scramble out of sight, and then hurry at full speed towards the shore by the side of one of the walls.

Here they found a fisherman’s hut, with its little windows lighted up and its door open …. Sandorf and his companion ran towards the door of the hut, and stopped on the threshold. Inside was a man mending his nets by the light of a ship’s lantern.

»My friend,« asked Count Sandorf, »can you tell me the name of this town?«

»Rovigno.«

»And to whom are we speaking?«

»Andrea Ferrato, the fisherman.«

»Will Andrea Ferrato consent to give us a night’s lodging?«

Andrea Ferrato looked at them, advanced towards the door, caught sight of the squadron of police at the end of the wall, divining doubtless who they were that asked his hospitality and understood that they were lost if he hesitated to reply. »Come in,« he said.

Rovinj | Rovigno
Rovinj | Rovigno
Rovinj | Rovigno
Rovinj | Rovigno
Rovinj | Rovigno

Am Uhrturm der Markuslöwe Venedigs.
The clock tower displays the Venetian Lion of St Mark.

Rovinj | Rovigno

Plakat links unten: „Es gibt Antworten, die zählen! Wenn du italienischer Nationalität bist, erkläre dies bei der Volkszählung 2021. Deine Italienische Union“. Die Volkszählung fand vom 13. bis zum 26. September statt. Im Jahr 1900 waren von 10302 Einwohnern von Rovigno 9716 Italiener, 201 Deutsche und 41 Serbokroaten. Bei der Volkszählung 2011 bezeichneten sich von 14379 Einwohnern 81,85% als kroatischer Muttersprache und 10,25% als italienischer Muttersprache (außerdem: 2,57% albanisch, 1,57% serbisch, 1,09% bosnisch).

Poster at bottom left: „There are responses that count! If you are of Italian nationality, declare yourself to be so in the 2021 census. Your Italian Union“. The census took place from 13 to 26 September. In 1900, of 10302 inhabitants of Rovigno 9716 were Italian, 201 German and 41 Serbocroat. In the census of 2011 of 14379 inhabitants 81,85% gave their native tongue as Croatian and 10,25% as Italian (also: 2,57% Albanian, 1,57% Serb, 1,09% Bosnian).

Küste zwischen Poreč | Parenzo und Novigrad | Cittanova. Die Bäume sind Eichen — in Istrien mit die häufigste Baumart. Es gibt Stileichen wie in Mitteleuropa, dies mag eine andere, zierlichere Art sein, die ich nicht recht bestimmen kann (Steineichen sind es nicht, die Blätter vielmehr wie die der Stileichen). Erstaunlich ist, wie nah sie am Meer wachsen — fast schon darin! Wir dachten, hier am oberen Ende der Adria sei das Meerwasser vielleicht weniger salzhaltig. Wenn ja, merkt man das am Geschmack nicht — auf der Zunge ist es ausgesprochen salzig.

The coast between Poreč | Parenzo and Novigrad | Cittanova. The trees are oak trees — among the most common species of trees in Istria. There are common oaks just like those in central Europe. The ones shown here may be a different, more slender species that I haven’t been able to identify. (They are not holly oaks — the leaves are like those of common oaks.) It is surprising to see them grow so close to the sea, indeed practically in it! We thought that maybe here at the northern end of the Adriatic the sea water might contain less salt. If so, you cannot tell from the taste — on the tongue it is very salty indeed.

Poreč | Parenzo